Wie gefährlich Mäusekot wirklich ist
Die Antwort hängt daran, welche Maus den Kot hinterlassen hat. Das klingt nach Haarspalterei, entscheidet aber über das Risiko.
Hantaviren sind das, wovor die meisten Ratgeber zuerst warnen. Für Deutschland benennt das Robert Koch-Institut zwei Reservoire: das Puumalavirus in der Rötelmaus (*Myodes glareolus*), das Dobrava-Belgrad-Virus vom Typ Kurkino in der Brandmaus (*Apodemus agrarius*). Die Hausmaus führt das RKI dort nicht auf. Schwarze Krümel im Küchenschrank stammen also mit einiger Wahrscheinlichkeit von einem Tier, das kein Hantavirus trägt.
Erledigt ist der Fund damit trotzdem nicht. Beim Hausmausbefall werden regelmäßig Leptospiren, Salmonellen und Pasteurellen nachgewiesen — Bakterien, die über verunreinigte Lebensmittel und Oberflächen weitergehen. Und wer auf dem Dachboden fündig wird, sollte die Rötelmaus nicht schon deshalb ausschließen, weil im Erdgeschoss Hausmäuse laufen.
Für Hantaviren beschreibt das RKI den Weg in den Menschen genau: eingeatmete virushaltige Aerosole, etwa Staubpartikel, dazu der Kontakt verletzter Haut mit verunreinigtem Material und Bisse. Auch über verunreinigte Lebensmittel ist eine Übertragung möglich. Deshalb steht weiter unten kein Wort über Besen.
Symptome nach Kontakt ernst nehmen
Die Inkubationszeit beträgt laut RKI üblicherweise zwei bis vier Wochen, in Ausnahmefällen fünf Tage bis 60 Tage. Typisch sind akutes Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Übelkeit. Wer Wochen nach dem Aufräumen plötzlich hoch fiebert, sollte den Kontakt beim Arzt erwähnen.
Wie lange alter Mäusekot noch ein Problem ist
Trocken heißt nicht harmlos. Das RKI schreibt, dass die Viren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden werden und darin mehrere Tage infektiös bleiben können, auch in getrocknetem Zustand. Eine feste Obergrenze in Wochen nennt das Institut nicht. Wer im Netz auf sehr genaue Angaben stößt, sollte nachsehen, worauf sie sich eigentlich stützen — wir haben für die kursierenden Vierzehn-Tage-Werte keine amtliche Grundlage gefunden.
Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Frischer Kot ist weich und glänzt, älterer wird matt und hart; das taugt als grobes Alterssignal, aber nicht als Freibrief. Und der eigentliche Risikomoment kommt ohnehin erst beim Aufräumen.
Wie stark das Thema von Jahr zu Jahr schwankt, zeigt die Meldestatistik. Zwischen 2010 und 2019 lag die durchschnittliche jährliche Inzidenz gemeldeter Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland bei 1,3 Fällen je 100.000 Einwohner, mit einer Spanne von 0,2 im Jahr 2013 bis 3,5 im Jahr 2012. Solche Ausschläge folgen der Größe der Nagerpopulationen.
Warum Kehren und Staubsaugen die Lage verschlimmern
Ein Besen macht aus einem liegenden Problem ein schwebendes. Getrocknete Ausscheidungen zerfallen beim Fegen zu Staub, und dieser Staub ist genau der Weg, auf dem Erreger in die Lunge gelangen. Der Staubsauger bessert daran wenig: Er zieht den Staub durch das Gerät und bläst ihn im schlechtesten Fall fein verteilt zurück in den Raum.
Das RKI formuliert die Gegenmaßnahme knapp. Eine mögliche Staubentwicklung in verunreinigten Bereichen soll durch Befeuchten vermieden werden, und Mäusekadaver wie Exkremente sollen vor der Entsorgung mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel benetzt werden. Ist mit Staub zu rechnen, gehören Atemschutzmaske und Handschuhe dazu. Eine bestimmte FFP-Klasse schreibt das Institut nicht vor — wer eine Wahl hat, nimmt die dichtere.
Vor der Reinigung sollten geschlossene Räume gut gelüftet werden. Bei einem Dachboden, der seit Monaten zu war, macht diese eine Zeile den größten Unterschied im ganzen Ablauf.
Was Anfeuchten praktisch heißt
Sprühflasche mit Wasser und haushaltsüblichem Reiniger, die Stelle satt benetzen, kurz einwirken lassen, dann feucht aufnehmen. Nicht mit Druckluft abblasen und nicht mit dem Hochdruckreiniger arbeiten — beides erzeugt genau die Aerosole, die vermieden werden sollen.
Nicht jede Maus darf bekämpft werden
Die Bundesartenschutzverordnung führt in Anlage 1 auf, welche Arten bekämpft werden dürfen. Bei den Nagern sind das sieben: Hausmaus, Wanderratte, Hausratte, Schermaus, Rötelmaus, Erdmaus und Feldmaus. Was dort nicht steht, steht unter Schutz.
Das wird schneller praktisch, als man denkt. Waldmäuse und Brandmäuse fehlen auf der Liste, Spitzmäuse ohnehin — sie sind gar keine Nagetiere, sondern gehören zu den Insektenfressern. Für eine Bekämpfung bräuchte es die Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde.
Darin steckt eine Merkwürdigkeit, die selten jemand ausspricht. Die Brandmaus trägt eines der beiden deutschen Hantaviren, darf aber ohne Genehmigung nicht bekämpft werden. Die Rötelmaus, Reservoir des häufigeren Puumalavirus, steht dagegen auf der Liste. Wer im Gartenhaus Kot findet und die Art nicht sicher zuordnen kann, klärt sie also besser, bevor er Fallen stellt. Beim Zuordnen der übrigen Spuren im Haus hilft die Übersicht zum Ungeziefer bestimmen.
Was nach dem Aufräumen zu tun ist
Der Kot ist weg, das Tier nicht. Das Umweltbundesamt setzt beim Zugang an: Lebensmittel, Tierfutter und Vorräte sichern, Spalten und Löcher verschließen, Abfälle richtig kompostieren, Unterschlupfmöglichkeiten beseitigen. Sogar Lebensmittelreste in der Toilette stehen auf der Liste dessen, was man besser lässt.
Fallen kommen dorthin, wo die Tiere ohnehin laufen — an Wände und unter Möbel oder Regale. Als Köder nennt das UBA Erdnussbutter, Nougatcreme, Käse oder Speckstückchen. Kontrolliert wird täglich, besser alle zwölf Stunden.
Beim Gift wird es rechtlich enger. Antikoagulanzien der ersten Generation darf die breite Öffentlichkeit einsetzen, allerdings nur bei festgestelltem Befall und unter Einhaltung der Gebrauchsanweisung. Die stärkeren Wirkstoffe der zweiten Generation sind geschulten Fachbetrieben vorbehalten; das UBA stuft sie als persistent, bioakkumulierend und toxisch ein und verweist auf vergiftete Nichtzieltiere von der Eule bis zum Fuchs. Lässt sich der Befall nicht eingrenzen, ist der Weg über einen Kammerjäger der sauberere — was das ungefähr kostet, steht in der Preisübersicht nach Schädling.
