Kleidermotten erkennen: Löcher, Köcher, Kotbröckchen
Der Schaden zeigt sich meist früher als das Tier. Typisch sind kleine, unregelmäßige Fraßlöcher, die über das gesamte Textilstück verteilt liegen statt an einer Stelle gehäuft — so beschreibt es der Schädlingsratgeber des Umweltbundesamtes (Stand 9. Juli 2026). Dazu kommen Kotbröckchen mit unregelmäßiger Oberfläche, die oft genau die Farbe des befallenen Gewebes haben und deshalb regelmäßig für Motteneier gehalten werden.
Die Larve wird rund neun Millimeter lang, ist weiß-gelblich und trägt eine braune Kopfkapsel. Sie spinnt sich aus Fasern, Haaren und eigenem Kot eine Röhre, heftet sie am Untergrund fest und bleibt darin bis zur Verpuppung. Wer so eine Gespinströhre in einer Schrankecke findet, hat den Befall gefunden und nicht bloß einen Verdacht.
Der erwachsene Falter wird bis zu einem Zentimeter lang, ist strohgelb und fliegt schlecht; häufiger huscht er über den Stoff. Seine Mundwerkzeuge sind verkümmert, er nimmt überhaupt keine Nahrung mehr auf und lebt nach Angaben des Instituts für Schädlingskunde im Schnitt zwölf bis achtzehn Tage. Was dagegen in der Küche fliegt und Gespinste in Mehl oder Müsli hinterlässt, ist ein Vorratsschädling — welche Spur zu welchem Tier gehört, klärt die Bestimmungshilfe.
Warum plötzlich Motten im Kleiderschrank sind
Fast immer kommen sie mit einem Textil ins Haus. Das Umweltbundesamt hält das Einschleppen mit befallener Ware für wahrscheinlicher als den Zuflug durchs offene Fenster, den es in warmen Monaten ebenfalls gibt. Der geerbte Wollteppich, die Kiste vom Dachboden, ein Mantel aus zweiter Hand: In allen dreien können Eier oder Larven sitzen, ohne dass man ihnen etwas ansieht.
Angezogen werden die Weibchen von dem, was auf getragener Kleidung liegt — Schweiß, Hautschuppen, Tierhaare. Ein ungewaschener Pullover, der zurück in den Schrank wandert, ist damit ein attraktiverer Ablageplatz als derselbe Pullover frisch gewaschen. Ein Weibchen legt im Lauf seines Lebens zwischen 100 und 250 Eier ab.
Die Jahreszeit spielt in beheizten Wohnungen kaum eine Rolle. Optimal entwickeln sich die Larven laut Institut für Schädlingskunde bei 25 bis 30 °C und rund 70 Prozent Luftfeuchtigkeit; ab einer Mindesttemperatur von 10 °C und bei ausreichend Nahrung folgt eine Generation auf die nächste, ohne Winterpause. Im Freien wären es zwei Generationen im Jahr, in warmen Sommern drei bis vier — im geheizten Schlafzimmer fällt diese Bremse ganz weg.
Was die Larven fressen und was sie trotzdem zerstören
Verdauen können die Larven nur Keratin: Wolle, Haare, Federn. Baumwolle und Leinen gelten deshalb als nicht befallen. Löcher bekommen sie trotzdem — laut Institut für Schädlingskunde durchbeißen die Larven auch pflanzliche und synthetische Fasern, um daraus ihre Gespinströhren zu bauen.
Das Nest gibt es nicht, den Befallsherd schon
Die häufigste Suche geht ins Leere, weil sie dem falschen Bild folgt. Kleidermotten bauen kein Nest. Die Weibchen legen ihre Eier verstreut dort ab, wo keratinhaltiges Material liegt, und jede Larve sitzt anschließend in ihrer eigenen Röhre. Was es sehr wohl gibt, ist ein Befallsherd: die Stelle mit der größten Futtermenge, an der sich Generation um Generation hält.
Diese Stelle liegt selten in dem Pullover, den man als Erstes in der Hand hat. Das Umweltbundesamt nennt Wollflusen und Haare in Dielenspalten sowie Haustierbetten ausdrücklich als Nahrungsquelle und weist darauf hin, dass dunkle Bereiche unter Schränken gerne angenommen werden. Praktisch heißt das: unters Bett schauen, den Teppich an der Kante unter dem Kleiderschrank anheben, den Filz unter Möbelfüßen ansehen, die Hundedecke prüfen.
Zum Eingrenzen taugen Lockstoff-Fallen. Sie enthalten den Sexuallockstoff der Weibchen und kleben die anfliegenden Männchen fest. Hängen mehrere davon an verschiedenen Stellen, zeigt die vollste Falle die Richtung — genau dafür sind sie gedacht, und nur dafür.
Kälte, Sonne, Wäsche: was die Larven wirklich abtötet
Larven und Eier bekämpfen heißt bei Textilien vor allem: Temperatur. Für Stücke, die keine heiße Wäsche vertragen, nennt das Umweltbundesamt einen konkreten Wert — mindestens −19 °C für mindestens 36 Stunden. Wer einfriert, misst vorher mit einem Thermometer nach, ob das Gerät diese Marke wirklich hält — sie ist als Mindestwert genannt, nicht als grobe Richtung. Ebenso wichtig ist der zweite Teil des Rats, der gern übersehen wird: Die Behandlung soll über mehrere Wochen wiederholt werden, weil in Ritzen und Nachbartextilien Eier überdauern, aus denen später Larven schlüpfen.
Der zweite Weg kostet nichts. Gereinigte Textilien werden ausgebreitet und unter Wenden dem Sonnenlicht ausgesetzt, damit vorhandene Eier und Larven austrocknen beziehungsweise durch das Licht abgetötet werden. Für Decken, Felle und Wandteppiche ist das die praktikabelste Behandlung überhaupt, weil sie weder in die Waschmaschine noch in die Gefriertruhe passen.
Waschbares wäscht man so heiß, wie das Pflegeetikett erlaubt. Diese Einschränkung ist keine Nebensache, sondern der Kern des Problems: Ausgerechnet Wolle, das bevorzugte Material der Larven, verträgt in aller Regel keine Kochwäsche. Wer den Wollpullover trotzdem heiß wäscht, hat danach ein verfilztes Stück ohne Motten. Für solche Sachen bleibt die Kälte.
Bleibt der Schrank selbst. Ausräumen, dann Fugen, Ritzen und Fußleisten gründlich aussaugen, anschließend mit Essigwasser auswischen und gut trocknen lassen; der Staubsaugerbeutel geht verschlossen sofort in den Müll. Textilien, die ohnehin zerstört sind, kommen in einer verschlossenen Plastiktüte in den Hausmüll — nicht in die Altkleidersammlung, wo sie den Befall weiterreichen.
Hausmittel, Mottenpapier, Spray: was zugelassen ist
Lavendel, Nelken und Zedernholz sind der Klassiker im Kleiderschrank, und das Umweltbundesamt schließt sie nicht aus — ergänzend zu anderen Vorsorgemaßnahmen. Es hält allerdings fest, dass sich Motten damit nicht hundertprozentig abschrecken lassen. Der entscheidende Satz steht direkt daneben: Zugelassene Biozidprodukte mit nachgewiesener Wirksamkeit gibt es nur auf Pfefferminzöl-Basis. Alles andere im Regal wirbt ohne diesen Nachweis.
Bei chemischen Mitteln lohnt der Blick auf die Wirkstoffzeile. ÖKO-TEST hat 33 Produkte geprüft, darunter 14 Bekämpfungsmittel, und kritisierte die enthaltenen Pyrethroide Transfluthrin, Tetramethrin und Prallethrin (ÖKO-TEST Magazin 6/2022, aktualisiert am 13. Oktober 2022). Mottenpapier gibt seinen Wirkstoff nach Darstellung des Instituts für Schädlingskunde an die Raumluft ab — im geschlossenen Schrank, aus dem die Kleidung anschließend direkt auf die Haut kommt.
Wer einen Wollteppich kauft, sollte wissen, dass solche Teppiche meist ab Werk mit Pyrethroiden gegen Mottenfraß ausgerüstet sind. Will man beides sicher vermeiden, die Belastung des Innenraums und den Befall, empfiehlt das Umweltbundesamt schlicht einen anderen Bodenbelag: Laminat, Parkett oder Kork.
Die Lockstoff-Falle schließlich ist kein Bekämpfungsmittel, auch wenn sie so verkauft wird. Sie fängt ausschließlich Männchen; die Weibchen legen weiter Eier, während sich der Klebestreifen füllt. Als Anzeige, ob überhaupt noch geflogen wird, bleibt sie trotzdem unverzichtbar — besonders für die Erfolgskontrolle nach der Behandlung.
Schlupfwespen gegen Kleidermotten — mit einem Vorbehalt
Wer bei starkem Befall biologisch bekämpfen möchte, hat einen natürlichen Feind zur Verfügung. Die Schlupfwespe *Trichogramma evanescens* misst etwa 0,4 Millimeter, ist für Menschen und Haustiere weder gefährlich noch lästig und legt ihre Eier in die Motteneier, die dadurch absterben. Sind keine Motteneier mehr vorhanden, verschwinden die Nützlinge von selbst.
Der Zeitrahmen unterscheidet sich deutlich von dem in der Küche. Gegen Kleidermotten müssen die Kärtchen laut Umweltbundesamt über einen Zeitraum von rund viereinhalb Monaten bis zu sechsmal erneuert werden; bei Lebensmittelmotten ist der Zyklus erheblich kürzer. Wer nach zwei Lieferungen aufhört, lässt die späteren Generationen laufen.
Dazu kommt ein Detail, das beim Bestellen leicht untergeht. Das Institut für Schädlingskunde weist darauf hin, dass ein Stamm eingesetzt werden sollte, der speziell zur Bekämpfung der Kleidermotte selektioniert wurde. Trichogramma ist eben nicht gleich Trichogramma — viele Kärtchen aus dem Regal zielen auf Vorratsmotten. Beim Anbieter also nachlesen, gegen welchen Schädling der angebotene Stamm gezüchtet wurde.
Wie lange es dauert und wann der Fachbetrieb kommt
Eine ehrliche Antwort auf die Dauer beginnt bei der Entwicklungszeit. Unter guten Bedingungen — 25 bis 30 °C, rund 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, genug Nahrung — vergehen etwa zwei Monate, bis sich eine Raupe verpuppen kann. Ein Befall, den man heute entdeckt, enthält Eier, Larven verschiedener Größe und Puppen gleichzeitig, und jedes Verfahren erreicht nur einen Teil davon. Genau deshalb rät das Umweltbundesamt zur Kombination mehrerer Maßnahmen samt Erfolgskontrolle mit Lockstoff-Fallen statt zum einen großen Mittel.
Realistisch sind Monate bis zur Ruhe, keine Tage. Den Maßstab liefert die Falle: Solange sie Männchen fängt, fliegt noch etwas.
Bleibt der Befall hartnäckig oder kehrt er wieder, empfiehlt das Umweltbundesamt, die Befallsquelle bestimmen zu lassen und gegebenenfalls einen sachkundigen Schädlingsbekämpfer hinzuzuziehen; Adressen führen die Verbände VfÖS und DSV. Preislich beginnt eine Mottenbehandlung in der Preisübersicht des bundesweit tätigen Fachbetriebs AHS (Stand Juli 2026) bei 129 €, dazu kommt dort eine Anfahrtspauschale von 49 € inklusive Begutachtung vor Ort. Was ein seriöses Angebot ausmacht und wer in der Mietwohnung dafür aufkommt, steht im Ratgeber Kammerjäger-Kosten.