Kleidermotten erkennen: Löcher, Köcher, Kotbröckchen
Der Schaden zeigt sich meist früher als das Tier. Typisch sind kleine, unregelmäßige Fraßlöcher, die über das gesamte Textilstück verteilt liegen statt an einer Stelle gehäuft — so beschreibt es der Schädlingsratgeber des Umweltbundesamtes (Stand 31. August 2026). Dazu kommen Kotbröckchen mit unregelmäßiger Oberfläche, die oft genau die Farbe des befallenen Gewebes haben und deshalb regelmäßig für Motteneier gehalten werden.
Die Larve wird rund neun Millimeter lang, ist weiß-gelblich und trägt eine braune Kopfkapsel. Sie spinnt sich aus Fasern, Haaren und eigenem Kot eine Röhre, heftet sie am Untergrund fest und bleibt darin bis zur Verpuppung. Wer so eine Gespinströhre in einer Schrankecke findet, hat eine wichtige Spur; eine sichere Artbestimmung braucht das Tier oder charakteristische weitere Merkmale.
Der erwachsene Falter wird bis zu einem Zentimeter lang, ist strohgelb und fliegt schlecht; häufiger huscht er über den Stoff. Seine Mundwerkzeuge sind verkümmert, er nimmt überhaupt keine Nahrung mehr auf und lebt nach Angaben des Instituts für Schädlingskunde im Schnitt zwölf bis achtzehn Tage. Was dagegen in der Küche fliegt und Gespinste in Mehl oder Müsli hinterlässt, ist ein Vorratsschädling — welche Spur zu welchem Tier gehört, klärt die Bestimmungshilfe.
Pelzmotten bekämpfen: zuerst die Art unterscheiden
Kleider- und Pelzmotten schädigen ähnliche Textilien, sind aber verschiedene Arten. Die Pelzmotte (*Tinea pellionella*) trägt dunkle Punkte auf den Vorderflügeln. Ihre Larve nimmt ihren beweglichen Faserköcher mit; bei der Kleidermotte (*Tineola bisselliella*) bleiben Gespinste am Stoff. Die University of Kentucky beschreibt diesen Unterschied in ihrem Merkblatt „Clothes Moths“ (überarbeitet März 2026).
Für die Bekämpfung ist das besonders bei Fallen wichtig: Die Arten reagieren auf unterschiedliche Lockstoffe. Eine leere Kleidermottenfalle schließt deshalb Pelzmotten nicht aus. Befallene und benachbarte Textilien prüfen und behandeln, versteckte Futterreste entfernen; bei unklaren Spuren hilft die Bestimmungshilfe. Löcher allein bestimmen die Art nicht, denn auch Teppichkäfer können solche Schäden verursachen.
Warum plötzlich Motten im Kleiderschrank sind
Häufig kommen sie mit einem Textil ins Haus. Das Umweltbundesamt hält das Einschleppen mit befallener Ware für wahrscheinlicher als den Zuflug durchs offene Fenster, den es in warmen Monaten ebenfalls gibt. Der geerbte Wollteppich, die Kiste vom Dachboden, ein Mantel aus zweiter Hand: In allen dreien können Eier oder Larven sitzen, ohne dass man ihnen etwas ansieht.
Angezogen werden die Weibchen von dem, was auf getragener Kleidung liegt — Schweiß, Hautschuppen, Tierhaare. Ein ungewaschener Pullover, der zurück in den Schrank wandert, ist damit ein attraktiverer Ablageplatz als derselbe Pullover frisch gewaschen. Ein Weibchen legt im Lauf seines Lebens zwischen 100 und 250 Eier ab.
Die Jahreszeit spielt in beheizten Wohnungen kaum eine Rolle. Optimal entwickeln sich die Larven laut Institut für Schädlingskunde bei 25 bis 30 °C und rund 70 Prozent Luftfeuchtigkeit; ab einer Mindesttemperatur von 10 °C und bei ausreichend Nahrung folgt eine Generation auf die nächste, ohne Winterpause. Im Freien wären es zwei Generationen im Jahr, in warmen Sommern drei bis vier — im geheizten Schlafzimmer fällt diese Bremse ganz weg.
Was die Larven fressen und was sie trotzdem zerstören
Verdauen können die Larven nur Keratin: Wolle, Haare, Federn. Baumwolle und Leinen gelten deshalb als nicht befallen. Löcher bekommen sie trotzdem — laut Institut für Schädlingskunde durchbeißen die Larven auch pflanzliche und synthetische Fasern, um daraus ihre Gespinströhren zu bauen.
Das Nest gibt es nicht, den Befallsherd schon
Kleidermotten bauen kein gemeinsames Nest. Die Weibchen legen ihre Eier verstreut dort ab, wo keratinhaltiges Material liegt, und jede Larve sitzt anschließend in ihrer eigenen Röhre. Was es sehr wohl gibt, ist ein Befallsherd: die Stelle mit der größten Futtermenge, an der sich Generation um Generation hält.
Die Suche sollte deshalb über den ersten beschädigten Pullover hinausgehen. Das Umweltbundesamt nennt Wollflusen und Haare in Dielenspalten sowie Haustierbetten ausdrücklich als Nahrungsquelle und weist darauf hin, dass dunkle Bereiche unter Schränken gerne angenommen werden. Praktisch heißt das: unters Bett schauen, den Teppich an der Kante unter dem Kleiderschrank anheben, den Filz unter Möbelfüßen ansehen, die Hundedecke prüfen.
Zum Eingrenzen taugen Lockstoff-Fallen. Sie enthalten den Sexuallockstoff der Weibchen und kleben die anfliegenden Männchen fest. Hängen mehrere davon an verschiedenen Stellen, zeigt die vollste Falle die Richtung — genau dafür sind sie gedacht, und nur dafür.
Kälte, Sonne, Wäsche: was die Larven wirklich abtötet
Bei der Behandlung entscheidet das Material mit. Für Stücke, die keine heiße Wäsche vertragen, nennt das Umweltbundesamt einen konkreten Wert — −19 °C oder kälter für mindestens 36 Stunden, ausdrücklich zum Abtöten der Larven. Daraus lässt sich keine Zusage ableiten, dass jede Textilladung danach frei von sämtlichen Entwicklungsstadien ist. Wer einfriert, misst vorher mit einem Thermometer nach, ob das Gerät diese Marke wirklich hält — sie ist als Mindestwert genannt, nicht als grobe Richtung. Ebenso wichtig ist der zweite Teil des Rats, der gern übersehen wird: Die Behandlung soll über mehrere Wochen wiederholt werden, weil in Ritzen und Nachbartextilien Eier überdauern, aus denen später Larven schlüpfen.
Der zweite Weg kostet nichts. Gereinigte Textilien werden ausgebreitet und unter Wenden dem Sonnenlicht ausgesetzt, damit vorhandene Eier und Larven austrocknen beziehungsweise durch das Licht abgetötet werden. Eine feste Behandlungsdauer oder Erfolgsgarantie für dicke Decken und Teppiche nennt die Quelle dafür nicht.
Waschbares wäscht man so heiß, wie das Pflegeetikett erlaubt. Diese Einschränkung ist keine Nebensache, sondern der Kern des Problems: Ausgerechnet Wolle, das bevorzugte Material der Larven, verträgt in aller Regel keine Kochwäsche. Ungeeignete Hitze kann das Stück beschädigen. Neben Kälte kommt eine materialgerechte professionelle Textilreinigung infrage; die University of Kentucky nennt chemische Reinigung als Verfahren gegen Eier und Larven.
Bleibt der Schrank selbst. Ausräumen, dann Fugen, Ritzen und Fußleisten gründlich aussaugen, anschließend mit Essigwasser auswischen und gut trocknen lassen; der Staubsaugerbeutel geht verschlossen sofort in den Müll. Textilien, die ohnehin zerstört sind, kommen in einer verschlossenen Plastiktüte in den Hausmüll — nicht in die Altkleidersammlung, wo sie den Befall weiterreichen.
Hausmittel, Mottenpapier, Spray: Nutzen und Grenzen
Lavendel, Nelken und Zedernholz sind der Klassiker im Kleiderschrank, und das Umweltbundesamt schließt sie nicht aus — ergänzend zu anderen Vorsorgemaßnahmen. Es hält allerdings fest, dass sich Motten damit nicht hundertprozentig abschrecken lassen. Der entscheidende Satz steht direkt daneben: Es nennt zugelassene Produkte auf Pfefferminzöl-Basis. Das ist keine abschließende Aussage über sämtliche zugelassenen Mottenmittel.
Bei chemischen Mitteln lohnt der Blick auf die Wirkstoffzeile. ÖKO-TEST hat 33 Produkte geprüft, darunter 14 Bekämpfungsmittel, und kritisierte die enthaltenen Pyrethroide Transfluthrin, Tetramethrin und Prallethrin (ÖKO-TEST Magazin 6/2022, abgerufen am 16. September 2026). Mottenpapier gibt seinen Wirkstoff nach Darstellung des Instituts für Schädlingskunde an die Raumluft ab — im geschlossenen Schrank, aus dem die Kleidung anschließend direkt auf die Haut kommt.
Wer einen Wollteppich kauft, sollte wissen, dass solche Teppiche meist ab Werk mit Pyrethroiden gegen Mottenfraß ausgerüstet sind. Will man beides sicher vermeiden, die Belastung des Innenraums und den Befall, empfiehlt das Umweltbundesamt schlicht einen anderen Bodenbelag: Laminat, Parkett oder Kork.
Die Lockstoff-Falle schließlich ist kein Bekämpfungsmittel, auch wenn sie so verkauft wird. Sie fängt ausschließlich Männchen; die Weibchen legen weiter Eier, während sich der Klebestreifen füllt. Sie ergänzt die Kontrolle der Textilien nach der Behandlung. Keine neuen Fänge sind günstig, beweisen allein aber nicht, dass keine Eier oder Larven mehr vorhanden sind.
Schlupfwespen gegen Kleidermotten — mit einem Vorbehalt
Wer bei starkem Befall biologisch bekämpfen möchte, hat einen natürlichen Feind zur Verfügung. Die Schlupfwespe *Trichogramma evanescens* misst etwa 0,4 Millimeter, ist für Menschen und Haustiere weder gefährlich noch lästig und legt ihre Eier in die Motteneier, die dadurch absterben. Sind keine Motteneier mehr vorhanden, verschwinden die Nützlinge von selbst.
Der Zeitrahmen unterscheidet sich deutlich von dem in der Küche. Gegen Kleidermotten müssen die Kärtchen laut Umweltbundesamt über einen Zeitraum von rund viereinhalb Monaten bis zu sechsmal erneuert werden; bei Lebensmittelmotten ist der Zyklus erheblich kürzer. Die im konkreten Set vorgesehenen Wiederholungen gehören deshalb zur Behandlung.
Dazu kommt ein Detail, das beim Bestellen leicht untergeht. Das Institut für Schädlingskunde weist darauf hin, dass ein Stamm eingesetzt werden sollte, der speziell zur Bekämpfung der Kleidermotte selektioniert wurde. Trichogramma ist eben nicht gleich Trichogramma — viele Kärtchen aus dem Regal zielen auf Vorratsmotten. Beim Anbieter also nachlesen, gegen welchen Schädling der angebotene Stamm gezüchtet wurde.
Wie lange es dauert und wann der Fachbetrieb kommt
Eine ehrliche Antwort auf die Dauer beginnt bei der Entwicklungszeit. Unter guten Bedingungen — 25 bis 30 °C, rund 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, genug Nahrung — vergehen etwa zwei Monate, bis sich eine Raupe verpuppen kann. Ein Befall, den man heute entdeckt, enthält Eier, Larven verschiedener Größe und Puppen gleichzeitig, und nicht jede Anwendung erreicht sämtliche Stadien und Verstecke. Genau deshalb rät das Umweltbundesamt zur Kombination mehrerer Maßnahmen samt Erfolgskontrolle mit Lockstoff-Fallen statt zum einen großen Mittel.
Eine feste Dauer bis zur Befallsfreiheit lässt sich daraus nicht berechnen. Weiterhin Larven, frische Schäden oder Falter zu finden, spricht für fortbestehenden Befall. Fallenfänge und Textilkontrolle gehören zusammen.
Bleibt der Befall hartnäckig oder kehrt er wieder, empfiehlt das Umweltbundesamt, die Befallsquelle bestimmen zu lassen und gegebenenfalls einen sachkundigen Schädlingsbekämpfer hinzuzuziehen; Adressen führen die Verbände VFöS und DSV. Preislich beginnt eine Mottenbehandlung in der Preisübersicht des bundesweit tätigen Fachbetriebs AHS (Stand Juli 2026) bei 129 €, dazu kommt dort eine Anfahrtspauschale von 49 € inklusive Begutachtung vor Ort. Beide Angaben verstehen sich laut Anbieter inklusive Mehrwertsteuer (abgerufen am 16. September 2026). Das sind Einstiegspreise dieses Betriebs; welchen Befall und welche Folgetermine ein Angebot abdeckt, muss darin stehen. Was ein seriöses Angebot ausmacht und wer in der Mietwohnung dafür aufkommt, steht im Ratgeber Kammerjäger-Kosten.


